Sylvesterspass in Tschnernobyl
Geschrieben 1999 für das ZYN! Magazin
Sylvesterspass in Tschernobyl
…aber denken Sie nur einen kleinen Moment an Igor Poporow, dem Techniker in Tschernobyl II. Es ist der 31.12.1999 23:50 Uhr russischer Zeit. Igor sitzt wie immer an seinen 30 Jahre alten Schaltpulten und beobachtet viele, wirklich viele Lämpchen. Ein einzelnes von ihnen, welches unter größten Anstrengungen versucht ein bedrohliches Blinken hervorzubringen, doch wegen der Stromunterversorgung und der jahrelangen Vernachlässigung durch unterbezahlte und nicht gerade arbeitswillige Wartungstechniker nicht mehr als ein düsteres glimmen hinbekommt, versucht ihn auf einen Fehler aufmerksam zu machen.
Die schöne neue Telefonwelt
“Wenn Sie zwischen 14:53 und 16:23 Uhr per Call by Call mit ISDN aus Darmstadt, in der Badewanne sitzend, mit einem Funktelefon einen Teilnehmer in Bad Homburg anrufen, der gerade bei der Gartenarbeit ist und dessen Einkommen unter 80.000 DM brutto liegt, dann zahlen Sie 9 Pfennige pro Minute, jedoch nur für die ersten 4,72 Minuten, danach wirkt sich unser neues Rabattsystem für Verheiratete aus … Sie sind doch verheiratet oder? … jedenfalls zahlen sie ab der 4,73. Minute dann nur noch 8,5 Pfennige, vorausgesetzt das Gespräch endet nicht vor der 10,5. Minute…. schön, das ich Ihnen helfen konnte.”
Werde Prophet – werde Gott
Geschrieben 2001 für das ZYN! Magazin
An dem anschaulichen Beispiel von “Fiat Lux” möchten wir zeigen wie einfach es sein kann, totalen Schwachsinn in die Welt zu blasen, ein Gesicht zu ziehen wie nach einer Darmspiegelung und trotzdem noch Millionen zu scheffeln….. Nicht immer muß man das Rad neu erfinden, es reicht auch manchmal sich anzusehen mit welchem einfachen aber genialen Konzept andere arbeiten.
Mein zweites Leben
Immer öfter lese ich jetzt kritische Artikel über “Mein zweites Leben”. Ich kann das gar nicht verstehen. Mein Name ist Klaus und ich bin 45 Jahre alt …
Immerhin bietet mir diese Online- Welt alles, was ich im realen Leben brauche. Ich sehe zwar toll aus, habe interessante Hobbys wie ”ich tu so als wenn ich ein Baby wäre” und wohne schon nicht mehr bei Mama. Trotzdem kenne ich Frauen nur aus der Fernsehwerbung, von der Straße oder von den Heften, die ich mir immer an dem Büdchen um die Ecke kaufe…. der Verkäufer lächelt dann immer so.
Trinkwasser wird knapp
geschrieben einst für das ZYN! Magazin (R.I.P.)
Wissenschaftler warnen schon seit vielen Jahren vor einer Trinkwasserverknappung. In den letzten Jahrzehnten wurden immer wieder Studien in Auftrag gegeben, die auf eine Lösung des Problems hinarbeiten sollten, jedoch scheiterte man an der eigentlichen Ursache, die bis heute unerkannt blieb.
Der gemeine Rentner
geschrieben einst für das ZYN! Magazin (R.I.P.)
Der gemeine Rentner
(lat: langlebus schmarotcus socialsustemus)
Lebensraum:
Der gemeine Rentner beansprucht theoretisch sehr wenig Wohnraum. Allerdings hat sich diese Spezies, durch evolutionäre Umstände, zu einer recht egoistischen Rasse entwickelt. So wird Wohnraum durch “Rentnerehepaare”, oder schlimmer noch, durch einzelne Rentner (zumeist Weibchen) belegt der eher für vierköpfige Familien geeignet wäre.
Lebenshilfe für Eltern…
geschrieben einst für das ZYN! Magazin (R.I.P.)
Wie Sie den Freund ihrer Tochter am saubersten loswerden können.
Haben Sie eine Tochter? Na dann herzlichen Glückwunsch! Wie alt ist sie? Ah, das ist gut, dann haben Sie sicherlich die ersten Probleme die sich aus der Vaterschaft ergeben gemeistert.
Die erste Windel war ein Problem, aber es gibt nun einmal Dinge, die ein Mann tun muss. Die ersten Zähnchen des Kindes bescherten schlaflose Nächte, aber sich einen neuen Job zu suchen war ja auch nicht allzu schwer oder? Die erste große Liebe im Kindergarten oder der erst blutige Toilettenbesuch waren wirklich ein Klacks im Gegensatz zu dem, was Sie jetzt erwartet.
Viele Helden haben Sie auf der Mattscheibe gesehen, aber nun ist der ganze Kerl in Ihnen gefordert, was Sie erwartet ist nichts für schwache Nerven, nichts für Weicheier, es erwartet Sie … es erwartet Sie … der erste Freund Ihrer Tochter.
Dabei sollten Sie natürlich folgende Naturgesetze beachten:
Kein Freund Ihrer Tochter ist der richtige
Der Freund Ihrer Tochter ist Ihr Feind
Denken Sie immer daran, diese schwanzgesteuerte männliche Wesen hat nur eines im Sinn, Ihnen Ihre kleine, lieb gewonnene Tochter, Ihr Herzblatt zu stehlen!
Zukünftige Schwiegersöhne beweisen bei diesem Unterfangen nicht nur ein gediegenes Maß an Hartnäckigkeit, sondern scheuen auch vor dem skrupellosen Einsatz modernster psychologischer Überzeugungsmechanismen nicht zurück.
Dieser kleine Kurs soll Sie vor dem Schlimmsten bewahren:
Der erste Besuch
Tagelang hat Ihre Tochter, natürlich auf Drängen des Freundes, Ihre Frau bearbeitet, ihr von den bewundernswerten Tugenden, von treuen Augen und von makellosem Benehmen erzählt. An dieser Stelle sei erwähnt, dass das Gehirn von Frauen zwar Informationen fast ebenso schnell verarbeiten kann, wie das der Männer, jedoch Emotionen eine Art Blockade aufbauen können, die dazu führt, das sie nur das sehen, was sie sehen möchten.
Der erste Besuch ist entscheidend. Dies wird nicht nur in den Burschenschaften der verschiedenen Universitäten gelehrt, sondern gilt in unseren Breitengraden als Naturgesetz. Klingelt es an der Tür, so können Sie sicher sein, das VOR der Tür einer von diesen jungen Männern steht, denen keine Frau etwas abschlagen kann, vor allem IHRE Frau wird Probleme damit haben, da es bestechende Argumente gibt. Blaue Augen, durchtrainierter Körper und vor allem ein dicker Blumenstrauß für Ihre Frau und eine Rose für Ihre Tochter. Beobachten Sie den Ausdruck in den Augen der Frauen genau, es ist der gleiche Glanz in den Augen der Tochter als Sie Ihr eine Katze schenkten und der Glanz in den Augen Ihrer Frau erinnert Sie an den Tag als Sie ihr einen Heiratsantrag machten. Prägen Sie sich diesen Ausdruck ein, denn Sie werden lange darauf verzichten müssen.
Für Sie bleibt nur ein strammer Händedruck. Mit einem freundlichen Lächeln versuchen Sie erste Punkte zu sammeln, doch VORSICHT, verzichten Sie darauf ihm die Hand zu brechen, sobald sich erste Schweißperlen auf seiner Stirn bilden, sollten Sie den Griff wieder lockern.
Das erste gemeinsame Essen
An der Tür hatten Sie keine Gelegenheit, Ihr Gegenüber in eine missliche Situation zu bringen, doch keine Angst, dazu haben Sie noch genügend Gelegenheiten. Als erstes gilt es nun nicht weitere Pluspunkte zuzulassen. Während eines lockeren Plausches vor dem Essen sollten sie versuchen dem Schmarotzer frauenfeindliche Kommentare zu entlocken, was leider nur recht selten klappen dürfte. Sicherer erscheint es da, ein bisschen am Benehmen zu basteln. Da Ihre Frau auf den zukünftigen Schwiegersohn Eindruck machen möchte, wird der Esstisch lange vor dem Besuch gedeckt sein, einige Grundregeln sollten beachtet werden um den weiteren Abend amüsant werden zu lassen.
Streuen Sie starken, weißen Pfeffer auf seinen Teller. Dieser ist bei normaler Beleuchtung kaum sichtbar und sorgt bei Ihrem Feind für Hustenanfälle oder extremen Durst. Viel Trinken = Minuspunkte bei Ihrer Frauverbinden Sie Weinglas und Tischdecke mit einem dünnen, durchsichtigen Fädchen. Dieses wird sofort reißen jedoch entstehen durch den Ruck einige hässliche Flecken. Weinflecken = Minuspunkte bei Ihrer Frau nach 5 Minuten wissen Sie, über welche Themen Ihr Feind zu reden vermag, das Gespräch hat er immerhin monatelang mit Freunden einstudiert. Bringen Sie ihn mit Zwischenfragen aus dem Konzept, verliert er den Faden so ergibt das weitere Minuspunkte bei Ihrer Frau.
Keinesfalls auf Schmeicheleien einlassen, wie toll doch Ihr Haus ist, wie glücklich Sie mit Ihrer Frau sein müssen, wie stolz Sie auf Ihre Tochter sein können. Nehmen Sie ihm, vor allem bei dem letzten Punkt, den Wind aus den Segeln. Erzählen Sie ihm von den Eskapaden Ihrer Tochter und von früheren Liebschaften, dabei sollten Sie die heftigen Tritte Ihrer Frau unter dem Tisch ignorieren, offene Anfeindungen wird Ihre Frau nicht riskieren.
Erfolgte bis zu diesem Zeitpunkt kein Rauswurf, sollten Sie nach dem Nachtisch einen weiteren Versuch starten. Bieten Sie Ihrem Widersacher eine Zigarre an, auch als nichtrauchender Vater sollten Sie für solche Notfälle immer welche parat haben. Je nach Einstellung Ihrer Frau bleibt es Ihnen nun überlassen die Zigarre mit einem Joint oder Rattengift zu versetzen oder einfach auf die Wirkung “Zigarrenqualm trifft Frau” zu vertrauen.
Das Ausgehen
Ausgänge Ihrer Tochter sollten stark reglementiert sein. Stellen Sie ruhig Ihren Wagen zur Verfügung, denn kein zukünftiger Schwiegersohn wird behaupten, das er mit Ihrer Tochter im Wald übernachten musste weil IHR Wagen streikte. Im Gegenteil, er wird ihn wie seinen Augapfel hüten. Eine gute Gelegenheit um einige auffällige Kratzer am Wagen unterzubringen, die man in der Abenddämmerung nicht sieht, die ihm aber peinlich sein dürften. Pluspunkte für Sie!
Freunde und Bekannte, vor allem andere Väter, sind sicherlich bereit Detektivaufgaben zu übernehmen. In manchen Städten haben sich Arbeitsgemeinschaften und Selbsthilfegruppen gebildet. Sollten Sie über einen jüngeren Sohn verfügen, so können Sie diesen unauffällig einsetzen, indem Sie Ihre Tochter als Babysitter verdingen. In diesem Fall ist dringend dazu geraten, ein Bandgerät in der Wohnung zu installieren, Videogeräte wären angebrachter, dürften aber zu teuer sein.
Schlagen Sie Ausflugspunkte vor, deren Entfernung und somit die benötigte Fahrzeit abschätzen können. Begrenzen Sie den Ausgang Ihrer Tochter soweit, dass kein Freiraum für Dummheiten bleibt. Achten Sie auf Ringe an den Fingern Ihrer Tochter, fragen Sie unbedingt nach dem Ursprung jedes einzelnen Schmuckstückes. Achten Sie darauf, bevor es zu spät ist.
Der Abgang
Nun gibt es nur zwei Möglichkeiten. Entweder haben Sie nun Ihren Feind vergrault, sehen ihn nie wieder und haben Ärger mit Ihrer Familie. Oder Ihre Tochter und ihr Lover haben sich aus dem Staub gemacht, in den USA geheiratet und Sie hören nie wieder von Ihnen. Ihre Frau hat sich scheiden lassen und sie fristen mit Ihrem Hund ein einsames Dasein. ….Oder doch?
War doch alles halb so wild. Ihr Schwiegersohn hat Ihnen verziehen und alle sind glücklich….
(c) Ulrich Stamm
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